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Nach dem Zeugnis der Evangelien fragen Menschen
von Anfang an nach Jesus – bewundernd, neugierig, erschrocken, entrüstet oder
feindselig. Jesus steht im Widerstreit der Meinungen, nichts an ihm ist
selbstverständlich, darum auch nicht der Glaube an ihn.
In den Jahrzehnten, die Jesus lebt, wird
Palästina von der römischen Besatzungsmacht kontrolliert. Es herrschen
Rechtsunsicherheit und Korruption. Viele Juden sind arm. Räuberbanden
verunsichern die Wege, Aufstände werden mit harter Hand unterdrückt, Tausende
erleiden den Tod am Kreuz. Die Juden erwarten einen Messias, einen aus dem Hause
Davids, der alles richten und den Staat Israel wieder aufbauen würde.
Wer ist nun dieser Jesus wirklich? Was wissen
wir von ihm? |
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Jesus ist Jude, der Sohn Josefs und Marias. Von
seiner Kindheit erfahren wir fast nichts, erst mit 30 Jahren tritt er in der
Öffentlichkeit als Wanderprediger auf. Er schart viele Männer und Frauen um
sich, seine engsten Vertrauten sind die zwölf Apostel. Die zentrale Botschaft
Jesu lautet: „Die Herrschaft Gottes ist angebrochen. Ändert eure Einstellung!“
Jesus selbst nennt sich nicht Messias, er zeigt aber ein göttliches
Sendungsbewusstsein. Seine Lebensführung erregt Aufsehen und weckt Widerspruch.
Als Zeichen der Nähe Gottes heilt Jesus Kranke. Er hält Mahlgemeinschaft mit
Menschen, die von rechtgläubigen Juden verachtet werden. Besonders radikal
wirken bis heute die Forderungen Jesu, auf allen Reichtum zu verzichten und
sogar seine Feinde zu lieben. Es fällt schwer, sich seinen Lehren zu entziehen.
Die Überzeugungskraft Jesu erwächst daraus, dass er selbst nach seinen
Grundsätzen lebt.
In Galiläa hat Jesus zunächst großen Erfolg.
Die Schar seiner Jünger und Sympathisanten wird so beachtlich, dass Vertreter
des traditionellen Judentums unruhig werden.
Jesus verlagert seine Tätigkeit nach Jerusalem.
Dort gerät er in Konflikt mit der jüdischen Obrigkeit. Die Behörden nehmen ihn
fest, unterziehen ihn einem Verhör und klagen ihn beim römischen Statthalter
Pontius Pilatus an. Auch im jüdischen Volk macht sich ein deutlicher
Stimmungsumschwung bemerkbar: Für die Juden war es ein Skandal, dass Jesus offen
überlieferte und praktizierte Gebotsauslegungen in Frage stellte. Gesetzestreue
war für die Juden ein äußerst wichtiges Kennzeichen ihres Glaubens, Jesus
hingegen erachtete die Nächstenliebe als ein deutlich höher stehendes Gut.
Besonders gravierend war, dass Jesus sich als Sohn Gottes bezeichnen ließ. Die
Juden sahen das als Gotteslästerung an, die mit dem Tode zu bestrafen war.
Dieser religiöse Hintergrund hätte für eine Verurteilung aber nicht ausgereicht.
Pontius Pilatus verurteilt Jesus schließlich auf einem anderen Rechtshintergrund
zum Tode: Der Hohe Rat beschuldigt Jesus, dass er sich als König der Juden sehe.
Das war für die Römer untragbar, war dies doch das alleinige Recht des Kaisers
und galt als Hochverrat.
Mit der Hinrichtung ist der Anspruch Jesu -
scheinbar - widerlegt, nämlich im Namen Gottes zu reden und zu handeln, „denn
ein Gehenkter ist ein von Gott Verfluchter“ (Dtn 21,23). Somit kann Jesus in den
Augen der Gegner nicht der Messias sein. Auch seine Jünger müssen nun einsehen,
dass er nicht aus politischem Interesse gehandelt hat.
Jesus hatte eine große Leidenschaft für jeden
Menschen. Er wollte das Übel an der Wurzel packen: Der Mensch sollte von allem
Bösen, von allem inneren Negativen befreit werden, damit die Herrschaft Gottes
Wirklichkeit werden kann – zuerst in jedem Menschen – und dann in der Welt. Über
allem steht die Liebe, als heilende und froh machende Botschaft. Sein Tod am
Kreuz ist eine Konsequenz seiner kompromisslosen Lebensführung, in erster Linie
aber seiner Liebe, denn „es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben
für seine Freunde hingibt.“ (Joh 15,13).
Sr. Verena Wittibschlager
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